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Waltcaud
von
Lüttich

Waltcaud 1 , der Nachfolger Ghärbalds von Lüttich , erscheint erstmals 811

( u . a . mit Theodulf von Orléans und Haito von Basel) unter den Zeugen im

Testament Karls d . Gr . 2 Sein Eifer für kirchliche Reformen ist ausdrücklich

verbürgt 3 . Im Jahre 825 ließ er die Gebeine seines 727 verstorbenen Vorgängers

Hugbert , der den Bischofssitz von Maastricht nach Lüttich verlegt hatte , in das

Ardennenkloster Andagium ( Saint - Hubert) überführen 4 ; aus diesem Anlaß erbat er

von Bischof Jonas von Orléans († 843) eine neue Fassung der Vita sowie eine

Translatio des Heiligen 5 . Letztmalig ist Waltcaud in einer Urkunde Kaiser Ludwigs

d . Fr . vom 19 . April 831 genannt 6 .

Autorschaft und Datierung

Da Waltcaud in keiner der beiden Handschriften als Verfasser des Kapitulars

genannt ist , beruht die Zuschreibung nur auf indirekten Rückschlüssen . Entscheidend

ist der Hinweis sicut iam dudum tempore ab antecessore nostro etiam et a nobis

fuit apud unumquemque denuntiatum in c . 15 , der sich offenbar auf eine ent

sprechende Regelung in c . 9 des dritten Ghärbaldkapitulars bezieht 7 . Der Verfasser

scheint damit nicht bloß irgendeinen , sondern seinen unmittelbaren Vorgänger zu

meinen und erweist sich so als Ghärbalds Nachfolger Waltcaud 8 . Außerdem ist zu

beachten , daß der Text in beiden Codices auf Ghärbalds zweites Kapitular folgt

und damit die Reihe der Lütticher Bischofskapitularien abschließt .

Die zeitliche Einordnung richtet sich nach dem in c . 1 gegebenen wörtlichen

Zitat aus der Taufumfrage Karls d . Gr . vom Jahre 811 / 12 sowie nach Waltcauds

letzter Erwähnung 831 . Innerhalb dieser Frist dürfte eine Entstehung während der

letzten Jahre Karls d . Gr . ( 812814) am wahrscheinlichsten sein 9 .

1) Vgl . allg . DUCHESNE , Fastes 3 S . 192f .; MÜLLERKEHLEN , Ardennen S . 53 Anm . 120 ( zur

Schreibweise des Namens) ; WERNER , Lütticher Raum S . 296f . u . ö . – Über Waltcauds Herkunft ist

nichts Verläßliches bekannt ; einer späten Nachricht des Aegidius von Orval († nach 1251) zufolge

soll er einen Vater namens Adelred gehabt haben , der Karl d . Gr . auf einem Romzug begleitete

( MGH SS 25 S . 48) . 2) Einhard , Vita Karoli Magni c . 33 ( ed . O . HOLDEREGGER S . 41) ;

vgl . BÖHMERMÜHLBACHER , Regesten 2 S . 204f . Nr . 458 . 3) Jonas von Orléans , Translatio

s . Hucberti c . 2 : Is enim , partim divinitatis instinctu et mercedis intuitu , partim vero huius

sanctissimi principis talibus monitionibus incitatus , studebat magnopere plebem sibi a Domino

traditam bonorum operum exercitiis nobilitare et de bonis ad meliora semper evehere , ac si quid in

episcopio suo resedisset emendatione dignum , totis nisibus in meliorem statum recuperare ( MGH

SS 15 / 1 S . 235) . 4) Vgl . MÜLLERKEHLEN , Ardennen S . 53f .; WERNER , Lütticher Raum

S . 319ff . 5) Vita : AA SS . Nov . 1 ( 1887) S . 806816 ( Widmungsbrief an Waltcaud : MGH

Epp . 5 S . 348f .); Translatio : MGH SS 15 / 1 . S . 234237 . 6) BÖHMERMÜHLBACHER ,

Regesten 2 S . 352f . Nr . 888 . – Wiederum erst das späte Zeugnis des Aegidius von Orval schreibt ihm

den Todestag 8 . April und den Begräbnisort Serain zu ( MGH SS 25 S . 48) . 7) Vgl . den

Kommentar ( Anm . 47) . 8) So zuerst WERMINGHOFF , NA 27 ( 1902) S . 580 ; vgl . auch DE

CLERCQ , Législation 1 S . 281 . 9) So vermutet von WERMINGHOFF , NA 27 ( 1902) S . 580 ;

HAUCK , Kirchengeschichte 2 S . 245 Anm . 1 .