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samste Anklang dieser Art gibt eine Äußerung wieder , die Vigilius dem Probus

zuschreibt und in der dieser den einfachen und schlichten Formulierungen der Heiligen

Schrift den Vorzug gibt gegenüber den kunstvollen Gebilden , die sich aus dem Gebrauch

der Dialektik ergeben fsubtilitas argumentorum de industria dialecticae artis venien

tium 453 ). Theodulf bringt , wie bereits ausgeführt , dieses Zitat gleich zweimal , einmal in

Kapitel III 9 im Zusammenhang mit gebildeter Sprache 454 und dann noch einmal in

Kapitel IV 23 , um seinen Rückgriff auf weltliche Gelehrsamkeit zu entschuldigen 455 .

Vielleicht hat er mehr als nur gelegentlich sprachliche Versatzstücke von Vigilius über

nommen , denn ein ähnlicher Geist wie in der angeblichen Debatte vor Probus bestimmt

auch große Teile der Argumentation im Opus Caroli regis .

6 . Die Überlieferung

Die Handschriften

Città del Vaticano , Biblioteca Apostolica Vaticana , Vat . lat . 7207

Die Pergamenthandschrift mit der ( nicht mehr vollständigen) Reinschrift des Opus

Caroli regis ( Seitengröße 317 × 220 mm , Schriftspiegel 237 × 140 mm) besteht heute aus

193 Blättern 456 , von denen jeweils die beiden ersten und letzten nicht zum ursprüng

lichen Bestand gehören . Der Text beginnt auf fol . 3r ( unten S . 107) in Kapitel 11 mit

mutabilis esse dinoscitur und endet auf fol . 192r ( unten S . 485) mit dem Schluß von

Buch III . In der Regel sind jeweils zwei Blätter auf der Fleischseite des Pergaments

( außen) vor der Faltung liniert worden . Die Lagen sind jeweils auf der letzten Seite auf

dem unteren Rand etwas links von der Mitte mit römischen Zahlen numeriert ; die

Abfolge der Zahlen ist , wie bereits gezeigt wurde 457 , ungewöhnlich . Die Schrift der

beteiligten Hände erscheint nur auf den ersten Blick sehr ähnlich , genauere Unter

suchungen zeigen , daß jede Hand ihre charakteristischen Eigenarten hat . Für die Unter

scheidung eignet sich besonders der Buchstabe g , zumal zur Bestimmung des Anteils der

Hand 1 458 . Auch der Abkürzungsstrich wird unterschiedlich verwendet 459 . Aus der

V

c . III 3 , die von Vigilius übernommen sind ( und dessen Anordnung und einleitende Worte beibehalten)

lassen sich weitere Übernahmen in allen vier Büchern des Opus Caroli regis nachweisen ( siehe dazu das

entsprechende Register) . 453) MIGNE PL 62 , Sp . 160D . 454) Siehe oben S . 55 . 455) Siehe

oben S . 58 . 456) Vgl . E . A . LOWE ( Hg .), Codices Latini antiquiores 1 ( 1934) Nr . 52 . Die ziemlich

summarische Beschreibung der Handschrift zeigt den Herausgeber in einer frühen Phase seiner Forschun

gen . Als ich ihn zwanzig Jahre später nach seiner Meinung über die Herkunft der Handschrift fragte ,

antwortete er mir in einem Brief vom Dezember 1955 : „ I believe I was right in saying it was cisalpine .

But the precise locality still eludes me ... Perhaps it comes from one of the better German scriptoria . I think

the interesting initials might cast some light ." Eine Untersuchung dieser Initialen wird der von Professor

L . NEES vorbereitete Katalog karolingischer Handschriften enthalten . 457) Siehe oben S . 40 . Die

Handschrift wurde in jüngster Zeit neu gebunden ; BASTGEN , Das Capitulare Karls d . Gr . über die Bilder

II S . 48 beschrieb den seinerzeitigen Einband als Leder des 18 . Jh . mit einem unter Pius IX . ( 18461878)

erneuerten Buchrücken , der dessen Wappen trägt . 458) Hand 1 formt ein charakteristisches g , dessen

oberer Bogen in der Regel offen bleibt ; der Schriftduktus unterscheidet sich von dem der anderen Schreiber .

Von fol . 132v bis fol . 140v arbeitete eine andere Hand ( Hand 5) mit Hand 1 zusammen , die nicht nur

für die roten Kapitelüberschriften verantwortlich blieb , sondern auch für fol . 135r insgesamt und wohl

auch für sechs Initialen auf diesen Seiten . Hand 3 schreibt gerne die Großbuchstaben zusammen , nicht nur

am Ende eines Wortes , sondern auch im Wort . 459) Der schräge Schnörkel als Abkürzungszeichen ,

auf den LOWE ( wie oben Anm . 456) hingewiesen hat , erscheint nur in dem neu geschriebenen Abschnitt

( fol . 66r100v) , der von den Händen 2 , 3 und 4 stammt ; die Hände 1 und 5 verwenden nur den horizon

talen Strich .