Abteilungen

Randnotizen auf der neu gefundenen Basis , wird die Einschätzung von den Steinens

bestätigt : Sie müssen von einem Laien und damit wohl vom König selbst stammen , der

allein die Macht und das Vorrecht zu solchen Äußerungen hatte , wie sie hier formuliert

sind 352 . Das bene steht vielleicht manchmal nur für seine nickende Zustimmung ,

andere Bemerkungen mögen auch die Reaktion der anwesenden Gelehrten wider

spiegeln , auf jeden Fall lassen sie aber noch die Macht seiner Persönlichkeit erkennen . Ein

Privatmann , der Jahre später das Werk für sich allein gelesen hätte , hätte kaum auf diese

Weise reagiert .

Ein sprechendes Detail bestätigt , daß nicht schon Jahre seit Abfassung des Werkes ver

gangen waren : Ein optime 353 steht am Anfang einer langen Passage , die fast wörtlich

aus den pseudo - augustinischen Dialogus quaestionum LXV stammt 354 . Der größte Teil

der mit ut ait sanctus Augustinus 355 beginnenden Einleitung wurde später durchge

strichen . Das muß geschehen sein , nachdem durch einen Brief Elipands von Toledo

Zweifel an der Echtheit mancher von den Spaniern zitierter Werke , die angeblich von

Augustinus und Hieronymus stammten , laut geworden waren . Solche Zuschreibungen

wurden , wenn sie sich bei einer Überprüfung als zweifelhaft herausstellten , bei weiteren

Zitaten vermieden . Das optime bezieht sich auf einen Text , der bei der offiziellen Verle

sung des Werkes noch als Text des Augustinus galt , später aber Verdacht erregte und

getilgt wurde . Hier und vielleicht auch an anderen Stellen im Opus Caroli regis wurden

also , ausgelöst durch den Adoptianismus - Streit , Korrekturen auch noch angebracht , nach

dem es von Karl d . Gr . offiziell approbiert worden war .

5 . Die Quellen und ihre Verarbeitung

Das Register der Werke und Autoren im Anhang zu dieser Edition dokumentiert nicht

nur Theodulfs Gelehrsamkeit , sondern auch den reichen Bestand der von ihm benutzten

Bibliothek , von der wir nicht wissen , welcher Art sie war und wo sie sich befand . War

es eine Klosterbibliothek , muß sie groß und gut ausgestattet gewesen sein , doch soweit

wir wissen , hatte Theodulf damals keine Beziehung zu einem Kloster . Es ist deshalb

wahrscheinlicher , daß er das Opus Caroli regis am Hofe Karls d . Gr . verfaßt hat und

die königliche Bibliothek benutzte . Karl hielt sich von 791 bis 793 in Regensburg

auf 356 , und wenn Theodulf hier gearbeitet hat , konnte er auch auf die Bücher von

St . Emmeram zurückgreifen . Sicherlich hat er auch eigene Bücher benutzt , die er aus

Spanien mitgebracht hatte 357 . Doch wie auch immer , die im Opus Caroli regis verwen

deten Quellen beweisen , daß es schon in den 790er Jahren , also noch vor der Aachener

Zeit , möglich war , auf einen Grundbestand an Quellen zurückzugreifen , selbst für ein

Werk , das sich eingehend mit einem unter Christen kontroversen Thema befaßt und

dazu eine breite Gelehrsamkeit zur Bibel sowie zur klassischen und patristischen Litera

tur zum Ausdruck bringt .

Bei Theodulfs Umgang mit seinen Quellen fällt ein deutlicher Unterschied auf zwi

schen den als Zeugnissen angeführten Quellen und den übrigen . Die Zeugnisse stammen

seine winzigen Zeichen nicht auf einem durch Rasur rauhen Pergament anbringen ; sie verschieben sich

dementsprechend . Es sind diese Rasuren , nicht die tironischen Noten selbst , die den Platz bezeichnen , wo

die ursprünglichen Anmerkungen in Minuskelschrift gestanden haben . 352) Vgl . VON DEN STEI

NEN , Karl der Große und die Libri Carolini S . 220f . 353) Siehe fol . 182r ( unten S . 465) Z . 6 .

354) Siehe unten S . 62 . 355) Siehe fol . 181v ( unten S . 464) Z . 28 . 356) Annales regni Fran

corum S . 86 , 90 , 92 . Das Kloster St . Emmeram bei Regensburg wurde zu Beginn des 8 . Jh . gegründet .

357) Vgl . FREEMAN , Theodulf of Orléans : a Visigoth at Charlemagne ' s Court S . 186 .