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EINLEITUNG

1 . Der historische Hintergrund

Nach sieben Arbeitssitzungen in Nicaea begab sich das Siebte Ökumenische Konzil

das zweite , das in Nicaea tagte 1 – zu seiner abschließenden Sitzung am 20 . Oktober

787 , die unter dem Vorsitz des ( unmündigen) byzantinischen Kaisers Konstantin VI .

und seiner Mutter Irene stattfand , nach Konstantinopel . Zu den Teilnehmern gehörten

auch zwei Legaten Papst Hadrians I . Als diese nach Rom zurückkehrten , hatten sie die

Akten des Konzils bei sich , die der Papst nach dem Bericht des Liber pontificalis ins

Lateinische übersetzen und im päpstlichen Archiv aufbewahren ließ 2 . Zumindest einer

der Legaten war offensichtlich zweisprachig 3 , doch der römische Kleriker 4 , der die Kon

zilsakten übersetzen sollte , machte davon keinen Gebrauch , sondern übersetzte die

Dokumente lediglich unter Zuhilfenahme eines griechisch - lateinischen Wörterbuches .

Das Ergebnis seiner Bemühungen war deshalb an vielen Stellen fehlerhaft , zuweilen

mehrdeutig und gelegentlich sogar unverständlich ; ein gravierender Fehler war der

unterschiedslose Gebrauch des Wortes adoratio für προσκύησις und λατρεία . Die

Übersetzung blieb unkorrigiert , bis 873 der päpstliche Bibliothekar Anastasius eine

revidierte Fassung erstellte .

So war es unvermeidlich , daß die Beschlüsse des zweiten Konzils von Nicaea einen

Sturm des Protestes hervorriefen , als die in Rom angefertigte Übersetzung an den Hof

Karls d . Gr . gelangte . Nach dieser Übersetzung hatten die Konzilsväter nicht nur allen

Christen die Verehrung von Bildern befohlen und den Bann all denen angedroht , die

sich weigern würden , sondern sie hatten auch alle Christen des Westens durch das barba

rische Latein ihrer Beschlüsse beleidigt . Wie die Reaktion der Gelehrten an Karls Hof

zeigt , dachten sie nicht an die Möglichkeit , nicht die Konzilsväter selbst , sondern ein

inkompetenter Übersetzer könnte für die Sprache der Konzilsakten verantwortlich sein .

Sie machten sich nicht klar , daß sie das Dokument aus Rom erhalten hatten , und glaub

ten , es sei direkt aus Konstantinopel geschickt worden . Für diese Überzeugung legt eine

zeitgenössische Quelle Zeugnis ab , der Eintrag zum Jahr 792 in den Annalen von York :

1) Vgl . G . DUMEIGE , Nicée II ( 1978) , dt .: Nizäa II ( 1985) sowie die zahlreichen Beiträge zu dem aus Anlaß

des 1200jährigen Jubiläums im Herbst 1987 in Istanbul abgehaltenen Symposions in : Annuarium Histo

riae Conciliorum 20 ( 1988) . 2) Vgl . Le Liber pontificalis 1 , ed . L . DUCHESNE ( 1886) S . 512 : Quam

synodum iamdicti missi in greco sermone secum deferentes ... praedictus egregius antistes in latino

eam translatari iussit , et in sacra bibliotheca pariter recondi , dignam sibi orthodoxe fidei memoriam

aeternam faciens . 3) Beide Legaten hießen Petrus ; der eine war Abt des römischen Klosters S . Saba ,

einer griechischen Gründung , in der damals noch griechische Mönche lebten ; über den anderen , den

Hadrian und die Konzilsakten als archipresbiter Romanae ecclesiae bezeichnen ( MGH Epp . 5 , S . 56

Z . 2224 und MANSI 13 , Sp . 380 ; MIGNE PL 129 , Sp . 460B) , ist sonst nichts bekannt . 4) Bei seiner

Untersuchung der Übersetzung kam VON DEN STEINEN , Entstehungsgeschichte der Libri Carolini S . 20 ff .,

zu dem Schluß , daß es sich bei dem Übersetzer um einen italienischen Kleriker gehandelt haben muß , der

in der römischen Kirche geschult worden war und in ihren Diensten stand . – Im Gegensatz zu BASTGEN

bietet die vorliegende Edition bei Zitaten aus den Konzilsakten nicht den griechischen Text , sondern

soweit nicht Reste der ältesten Übersetzung indirekt greifbar sindden revidierten Text des Anastasius

Bibliothecarius .