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schon seit Herodot ( 4 , 110 ff .) mit den Skythen in Verbindung

gebracht wurden . Zur Zeit des Autors war diese Stammesbezeich

nung mehr ein historischer Sammelbegriff für Völker auf dem

Balkan und in Südrußland 80 . Welchem Volksstamm er ange

hört hat , ist kaum zu ermitteln , es sei denn , die ausführliche

Beschreibung der Türken und deren besonderer Stolz auf die

Unabhängigkeit vom Römischen Reich gäben einen Fingerzeig ,

so daß er am ehesten den turkstämmigen Avaren zuzurechnen

wäre . 81 Offensichtlich hatte er sich schon früh vorwiegend im

balkanischen Raum mit dem Römischen und Griechischen

sprachlich und kulturell vertraut gemacht . Sein Latein zeigt deut

lich galloromanische Elemente , Spuren lassen Benutzung der

Bibliotheken von St . Gallen und Reichenau vermuten ( siehe

unten S . 48f .). Wie er dann ins Frankenreich gelangt ist , um dort

im Umkreis der Hofgeschichtsschreibung seine Kosmographie zu

verfassen , bleibt ungewiß . Vermutlich gehörte er zu den damals

zahlreich umherziehenden Klerikern oder Mönchen , von denen

mancher durch besondere Fähigkeiten auffiel .

III . Das Werk

A . Konzept und Inhalt

Bei der Abfassung seines Werkes war der Autor an die Fiktion

gebunden , daß der Kirchenvater Hieronymus eine noch in heid

nische Zeit fallende Kosmographie eines Philosophen Aethicus

teils übersetzt , teils paraphrasiert und kommentiert hätte und

dabei auch eigene Gedanken hätte einfließen lassen . Dieser

Gesichtspunkt erforderte die Befähigung zu einer gewissen sprach

lichen und stilistischen Differenzierung , worum der Autor auch

80) Bezeichnend mag die geographische Sicht des Bonifatius sein , die er in

einem Vers seiner Rätselsammlung ( 323 f .) zum Ausdruck bringt : semper

amavit me Germanica tellus , rustica gens hominum Sclaforum et Scythia

dura ( MGH Poet , 1 S . 13) .

81) Siehe S . 119 mit Anm . 188 .