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II . Der Autor

Es kann als sicher gelten , daß es keinen griechischen Philosophen

namens Αἴθικος als Verfasser einer Kosmographie in Form eines

abenteuerlichen Erlebnisberichtes gegeben hat , den der Kirchen

vater Hieronymus teils wörtlich übersetzt , teils paraphrasiert und

unter Einschaltung eigener Betrachtungen kommentiert hätte .

Vielmehr handelt es sich um das Werk ein und desselben Verfas

sers , der viel später , nämlichwie noch zu zeigen sein wird

um die Mitte des 8 . Jahrhunderts diese Fiktion erdacht hat .

Über die Person dieses Autors , seine Lebenszeit und seine

Motivation ist , wie schon dargestellt , mancherlei geschrieben wor

den . Am intensivsten hat sich mit dieser Thematik H . Löwe

beschäftigt 49 , der mit scharfsinniger Argumentation den Abt

und Bischof Virgil von Salzburg , einen Iren , als Verfasser ermit

telt zu haben glaubt , der wegen seiner Gelehrsamkeit in hohem

Ansehen gestanden hat . Zum Ausgangspunkt seiner Überlegun

gen machte Löwe eine in Freising geschriebene , jetzt in Leipzig

befindliche Handschrift ( L) als älteste und beste unter den vier

noch um 800 entstandenen Textzeugen , was ihn zu dem Schluß

kommen ließ , Bayern als Zentrum der Aethicus - Überlieferung

anzusehen . Indessen hat eine genaue Überprüfung gezeigt , daß die

Handschrift L ( siehe S . 55 Nr . 1) ohne Sorgfalt geschrieben ist 50

und Arbeos angesehenem Skriptorium wenig Ehre macht , also

wohl erst nach des Bischofs Tod entstanden ist . Außerdem gehört

sie dem weniger guten Überlieferungsstrang Y an . Im übrigen

sind keine gesicherten Verbindungen Arbeos mit der Kosmogra

phie nachzuweisen 51 Auch die kürzlich in Admont gefundenen

Doppelblätter salzburgischer Herkunft mit dem Schluß des Aethi

cus - Textes , die auf Grund paläographischer Untersuchungen noch

ins späte 8 . Jahrhundert gehören , geben nicht soviel her , daß man

Salzburg als Entstehungsort der Kosmographie ansehen müßte 52 .

49) Siehe S . 6 mit Anm . 31 und S . 7 mit Anm . 36 .

50) Siehe S . 55 mit Anm . 188 .

51) Siehe Hillkowitz II S . 2 – 6 .

52) Siehe S . 9 mit Anm . 48 .