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EINLEITUNG

I . Zur Problematik der Kosmographie

Der Titel des Werkes , der nach der ziemlich einheitlichen Über

lieferung auf den Autor selbst zurückgeht , besagt in seiner syntak

tisch holprigen Fassung , daß es sich um die Kosmographie eines

Aethicus handele , die von dem Presbyter Hieronymus übersetzt

und in philosophischem Stil herausgegeben worden sei 1 . Schon

die Schreibweise des Autorennamens schwankt zwischen Aethi

cus und Ethicus , wobei letztere zwar etwas häufiger überliefert ,

erstere aber trotzdem vorzuziehen ist 2 , weil der Verfasserwie

es seine eigenwillige Art wardas Bestreben hatte , sich orthogra

phisch von dem Adjektiv ethicus abzusetzen , das andererseits

dann doch wieder mit dem Autorennamen in Verbindung

gebracht wird , wenn in der Subscriptio der Autor als Begründer

der ethischen Philosophie bezeichnet wird .

Es hat sich eingebürgert , den Autor als Aethicus Ister zu

bezeichnen , um seine Herkunft aus Istrien , die zweimal im Text

erwähnt wird 3 , erkennen zu lassen . Dieser Zusatz erweist sich

als unkorrekt , da die Bezeichnung Ister für eine Einzelperson aus

Istrien ungebräuchlich und auf den Flußnamen beschränkt ist 4 .

Die Fehldeutung läßt sich bis auf den Humanisten Martin Opitz

zurückverfolgen , der die große Ähnlichkeit zwischen zwei Stellen

aus Isidors Etymologiae und der Kosmographie bemerkt und das

1) Incip(it) lib(er) Ęthico translato philosophico edito oraculo Hieroni

mi pr(esbyte)ri dilatu(m) ex chosmografia , id e(st) mundi scriptura ( Fas

sung des Codex St . Gallen 133) .

2) Darüber genauer Prinz , Untersuchungen S . 488 mit Anm . 47 ; siehe

auch Hillkowitz I S . 2628 .

3) S . 88 , 7 ; 111 , 9 .

4) Hiergegen spricht nicht eine Stelle bei Claudian ( carm . 10 , 277 , MGH

Auct . ant . 10 , S . 136) : iam te venerabitur Ister , wo es sich um den metony

misch für die Anwohner gehrauchten Namen des Flusses handelt .