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LOTHAR III .

Lothar III . wurde am 30 . August 1125 zum König gewählt und am 13 . September

in Aachen gesalbt und gekrönt ; die Kaiserkrone empfing er am 4 . Juni 1133 im

Lateran aus den Händen Papst Innocenz ’ II . Diese zwei Tage , der 13 . September und

der 4 . Juni , kommen als Epochetage für die anni regni und die anni imperii in Be

tracht ; die ersteren werden während des ersten Romzuges auch anni regni et ordina

tionis genannt . Im übrigen ergibt sich aus den Zeitangaben der Urkunden Lothars III .

bis 1130 für die Kanzlei 1 die Anwendung der Bedaischen Indiktion ( vgl . DD . 2 , 3 , 14 ,

29) und des Natalstils ( vgl . D . 14) . Später , namentlich seit dem Jahre 1132 , da die

Kanzlei einen führen den Notar erhielt , der bis zum Ausgang der Regierung des

sächsischen Herrschers in Tätigkeit blieb , lassen sich hinsichtlich der Art der Zeit

merkmale infolge der Lässigkeit , mit der diese angewendet wurden , keinerlei allge

meiner gültige Grundsätze gewinnen . Möglich , daß die römische Indiktion in Ge

brauch stand ( vgl . DD . 54 – 59) , sicher wurde sie in D . 107 , das außerhalb der Kanzlei

für einen italienischen Empfänger gefertigt wurde , zur Anwendung gebracht . Die

während des zweiten Romzuges entstandenen DD . 105 , 119 , 120 , von denen das erstere

ganz , die zwei letzteren teilweise außerhalb der Kanzlei hergestellt wurden , lassen den

Gebrauch einer September - Indiktion 2 erkennen .

Die Einrichtung der Kanzlei Lothars III . ist von jeher als Zeugnis gewertet wor

den für die Bedeutung , die ein Dynastie - und völliger Systemwechsel für die Ausge

staltung und Geschäftsführung dieser obersten Reichsstelle haben kann . Es gehört

mehr der politischen Geschichte an , daß Lothar in der ganzen Zeit seiner Regierung

keinen Kanzler gehabt hat . 3 Die Einwirkung Adalberts von Mainz , der zur Erweite

rung seines Einflusses schon unter Heinrich V . Ähnliches gewollt und teilweise auch

herbeigeführt hat , mag sich dabei geltend gemacht haben , und ebenso das Bestreben

Lothars III ., den Mainzer , der seine Erhebung auf den Königsthron recht eigentlich

herbeigeführt hatte , durch Mehrung seiner Einkünfte zu belohnen . Die Auswirkungen

freilich , die die Nichtbesetzung der Kanzleileiterstelle gehabt hat , interessieren in

erster Linie den Urkundenforscher . Die Urkunden Lothars III . erscheinen in der

Regel entweder von einem , der beiden Erzkanzler oder von Notaren an Stelle der

Erzkanzler rekognosziert . Mit dem Fehlen eines Kanzlers ist in Verbindung zu brin -

gen , daß auf dem ersten Römerzuge neben dem Kölner Erzbischof , auf dem zweiten

nach dem Tode des Erzbischofs Bruno von Köln für diesen ein hoher kirchlicher Wür -

1) D . 5 mit Circumcisionsstil und Neujahrsindiktion ist außerhalb der Kanzlei entstanden . 2) Ob die

Umsetzung der Indiktion in D . 75 von 1135 September 23 den Gebrauch der griechischen Indiktion dartut

( Schultze Urk . Lothars III . 91 , Anm . 2) ist mindestens zweifelhaft . Dagegen ist für die DD . 119 und 120 im

Hinblick auf ihre Entstehung in Unteritalien der Gebrauch der griechischen Indiktion anzunehmen ; vgl . auch

Schultze a . a . O . 3) Vgl . Bresslau UL . 1 2 , 483 ff . und Erben UL . 1 , 77 f .