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VORREDE

Sechzig Jahre nach dem ersten erscheint der dritte Band der Diplomata Karoli

norum , der diese Hauptserie abschließen soll , während wir auf den gewichtigen zweiten

Teil mit den Urkunden Ludwigs des Frommen noch warten . Dagegen liegt die zeitlich

spätere Sonderreihe der ostfränkischen Diplome seit einiger Zeit vollständig vor . In dieser

gewiß seltsam erscheinenden Reihenfolge der Publikation spiegelt sich einiges von der

bewegten und nicht eben vom Glück überstrahlten Geschichte dieser Monumenta - Abteilung

wider .

Die schon gut angebahnte editorische Erschließung der Karolingerdiplome ist zwei

mal durch interne Entscheidungen , ein drittes Mal durch äußere Gewalt unterbrochen , ja

zurückgeworfen worden . Die dem Ferner stehenden unübersichtliche , insgesamt an drei

Stellen neu ansetzende Bandzählung der Diplomata ist eine unmittelbare Folge dieser wech

selnden Dispositionen über die Karolingerurkunden . Der erste verheißungsvolle Ansatz

blieb stecken , als Theodor Sickel , der 1867 mit seinen ' Acta Karolinorum ' eben am karo

lingischen Material die Lehre von den Kaiserurkunden neu begründet hatte , zwar im

Jahre 1875 an die Spitze der Diplomata - Abteilung – mit dem Sitz in Wien – trat , im

Editionsplan aber die Karolinger übersprang und mit dem ersten Bande bei Konrad I .

und den Liudolfingern einsetzte . Der beiseite gelassenen Karolingeredition erstand zum Glück

in Engelbert Mühlbacher ein neuer Initiator . Er brachte 1889 den vorbildlichen Regesten

band heraus ( dessen zweite , bis heute gültige Auflage erst nach seinem Tode 1908 ab

geschlossen wurde) und übernahm 1892 , ebenfalls in Wien , die Leitung einer neu errich

teten Karolinger - Abteilung . Jetzt endlich setzten die Arbeiten mit bewundernswertem

Schwung ein . Noch vor der Jahrhundertwende trug vor allem Mühlbachers Schüler Alfons

Dopsch auf weiten Archivreisen für den gesamten Zeitraum 751 – 911 den umfangreichen